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Rehböcke an die Leine

04.06.2007, Abendblatt
Rehböcke an die Leine!

Lokalspitze

Von Bodo Brassmann

Es ist Brut- und Setzzeit. In der freien Natur müssen Hunde noch bis Mitte Juli angeleint sein. Das ist gut so, und es hat durchaus auch seine angenehmen Seiten.

Es ist nämlich herrlich, auch mit dem angeleinten Hund frühmorgens durchs sonnenbeschienene Feld zu spazieren. Vögel zwitschern oder sitzen wippend auf Gerstenhalmen. Wie friedfertig die Natur doch ist.

In diesem Moment spaziert ein Rehbock 50 Meter vor uns aus dem Getreideacker auf den Wirtschaftsweg.

Mein Hund ist mit Bodenschnüffeln voll beschäftigt, er sieht den Bock gar nicht.

Aber der sieht uns und tobt sofort mit hohen Sprüngen durch die Gerstenhalme.

Die Piepmätze fliegen erschrocken hoch, gestörte Bodenbrüter steigen in die Luft und flattern aufgeregt aus Angst um ihre Brut.

Zu allem Überfluss wird auch noch ein Karnickel von dem Bock aufgejagt und flitzt blindlings über den Weg - direkt vor meinen Hund, der nun fiepend und jaulend das Bodenschnüffeln einstellt, seinem Jagdtrieb nachgeben will und an der Leine zerrt.

Erstaunlich, was so ein scheinbar harmloser Rehbock in der freien Wildbahn alles anrichten kann, wie er die friedfertige Natur durcheinanderbringt!

Wenn das rauskommt - dann könnte ich mir vorstellen, dass unsere Politiker, wenn sie erst einmal mit den Hundebesitzern, den Rauchern, den Dicken und den CO2-Frevlern fertig geworden sind, eine Anleinpflicht für Rehböcke in Angriff nehmen.