12.04.2008 - Hundekot-Gasse

12.04.2008, Abendblatt
Ködelgasse

Aufreger Hundehalter missbrauchen einen Weg in Harksheide als Hundeklo Einsatz auf der "Ködelgasse" Rentner Siegfried Mertin räumt seit Jahrzehnten den Hundekot vor seiner Haustür weg - sonst macht es ja niemand!

Von Andreas Burgmayer

Norderstedt - "Ködelgasse" nennt Siegfried Mertin (71) den Verbindungsweg zwischen der Ulzburger Straße und der Straße Am Schulwald in Harksheide. Das klingt eigentlich zu niedlich, denn der Name umschreibt eine Riesensauerei: Hundekot. Haufenweise und überall.

Die Leute gehen hier gerne Gassi mit ihren Fiffis. Und die Hunde machen auf dem Sandstreifen neben der Wegpflasterung ihr großes Geschäft. Leider gibt es noch immer zu viele Herrchen und Frauchen, die hinter ihren Hunden nicht aufräumen. Das überlassen sie den Grundstücksbesitzern, die das machen müssen - weil sie dazu von der Satzung über die Straßen- und Gehwegreinigung angehalten werden.

Siegfried Mertin hat einen abgenutzten und ziemlich unappetitlichen weißen Eimer, eine Schaufel und eine Holzlatte. Damit ist er seit Jahrzehnten auf der "Ködelgasse" im Einsatz.

"Jedes Wochenende sind es wohl zehn oder fünfzehn Haufen, die ich hier wegschaufle und hinterher im Müll entsorge", sagt Mertin, der bis zu seinem Ruhestand selbstständiger Handwerker war, der 1964 an dieser Stelle sein Haus eigenhändig hochgezogen hat und der nun an manchen Sommertagen nur noch mit Nasenklammer auf seiner Terrasse sitzen kann, weil der Hundekot zum Himmel stinkt.

Hundebesitzer kann man nicht erziehen, sagt Siegfried Mertin. Er versucht es trotzdem. Mit einem höflichen Schild. Darauf ein Hund beim Geschäft und der Hinweis: "Er kann nichts dafür! Aber Herrchen oder Frauchen räumen es selbstverständlich weg!! Vernunft, Anstand und Gesetz gebieten es!" Das Schild wird regelmäßig abgerissen.

"Im ersten Stock hab ich Velux-Fenster", sagt Mertin. Man kann da rausschauen, von draußen aber nicht reinschauen. "Kürzlich beobachte ich eine Frau und ihren Hund und höre, wie sie sagt: ,Komm, Charly, mach schnell Kacki!'.

Da hab ich das Fenster aufgerissen", sagt Mertin. Die Frau habe das Häufchen dann entfernt, sagt er. Manche reden sich raus, sie würden doch Hundesteuer zahlen. "Aber ich zahle auch jede Menge Steuern. Aber deswegen mache ich doch nicht Wildfremden vor die Haustür", sagt Siegfried Mertin.

Einen Straßenzug weiter, am Schulweg, wohnen die Oertels und haben das gleiche Problem. Sie lösen es aber drastischer. An ihrem Zaun hängt ein Zettel in Klarsichthülle. Hundebesitzern, die "Ködel" liegen lassen, wird mit Foto und Anzeige gedroht. Seit wir den hängen haben, liegen hier weniger Ködel. Angezeigt haben wir aber noch niemanden", sagt die Chemielaborantin Gabriele Oertel (48).

Siegfried Mertin möchte "die Leute nicht anmachen". Stattdessen hat er sich bei allen möglichen Stellen bei der Stadtverwaltung beschwert und um Hilfe gebeten. "Aber die sagen nur, ich soll es selber wegmachen." Also nimmt Mertin den Eimer, die Schaufel und die Holzlatte und geht die "Ködelgasse" ab. So lange, bis die Hundehalter ein Einsehen haben.

Das sagt das Ordnungsamt

Wer die Exkremente seines Hundes liegen lässt, der begeht eine Ordnungswidrigkeit. Das Problem mit der Ahndung ist, dass der Hundekot nun mal keine Rückschlüsse auf den Hund zulässt. "Wer aber einen Hund beobachtet und den Namen des Halters hat, der kann bei der Stadt eine Anzeige erstatten", sagt Kai Jörg Evers, Sprecher der Stadt.

Ein Bußgeld in Höhe eines "zweistelligen Euro-Betrages" erwarte den Hundehalter, so Evers. Rücksichtsvolle Hundehalter räumen die Exkremente ihres Hundes weg, in dem sie sich der kostenlosen Tütchen bedienen, die zum Beispiel im Tierfutter-Einzelhandel ausgegeben werden. Oder sie gehen mit ihren Hunden gleich auf den extra ausgewiesenen Hunde-Plätzen oder -wiesen Gassi. abm

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