10.05.2004 - Pro und Kontra Windenergie

10.05.2004, Abendblatt
Darüber kann man streiten

Winkraft: Morgen öffnet die Messe "Windenergy" in Hamburg ihre Tore. 330 Aussteller aus 18 Ländern werden sich dort bis Freitag präsentieren. Ein Anlass für zwei "Wissen"-Redakteure, das Für und Wider der Windrotoren zu beleuchten.

PRO Denn der Klimaschutz kommt ohne Windkraft nicht aus

Von Angelika Hillmer

Der Energiehunger der Welt wird immer größer, die Vorräte an Kohle, Öl, Gas und Uran sowie die Belastbarkeit des Klimas nehmen dagegen ab.

Dieses Ungleichgewicht lässt sich nur mit dem verstärkten Einsatz von den regenerativen Energiequellen Sonne, Wasser, Wind, Erdwärme und Biomasse mildern.

Die Nutzung dieser Energien ist ein Wachstumsmarkt, den sich die deutsche Wirtschaft nicht entgehen lassen darf.

Dazu gehört, dass die Technik im eigenen Land angewendet wird. In Norddeutschland bietet sich die Nutzung von Wind und Biomasse (Energiepflanzen, Holz, Biogas) an.

Kein Mensch will alle Gas- und Kohlekraftwerke abschalten. Aber es gilt, den eingesetzten Brennstoff besser zu nutzen. Effiziente Kohlekraftwerke "geplant in Deutschland" könnten zum Exportschlager werden.

Sie werden auch in hierzulande gebraucht - in den nächsten 20 Jahren muss etwa die Hälfte der Kohle- und Gaskraftwerke ersetzt werden.

Für den Klimaschutz ist noch mehr drin, dank der "Erneuerbaren". Heutige Windrotoren haben die Energie, die in ihre Produktion eingeflossen ist, nach drei bis fünf Monaten wieder eingespielt. Von diesem Zeitpunkt an liefern sie Kohlendioxid-freien Strom.

Das tun sie natürlich nicht zum Nulltarif. Aber die Kosten des Windstroms haben sich in den vergangenen zehn Jahren halbiert und werden weiter sinken.

Die erneuerbaren Energien sind bezahlbar - im Jahr 2002 hat ein Durchschnittshaushalt einen Euro pro Monat für sie bezahlt. Gesamtwirtschaftlich liegt die Einspeisevergütung für Windstrom etwa halb so hoch wie die Kohlesubventionen. Und bei der Kohle kommen die Kosten der Stromproduktion hinzu.

Über die Anmut der Dreiflügler lässt sich streiten. Dabei ist sicherzustellen, dass weder Menschen und Natur durch sie geschädigt werden.

An Land wird die Anlagenzahl kaum mehr wachsen, denn in wenigen Jahren wird eine Vielzahl veralteter kleiner Windräder durch wenigere, größere Rotoren ersetzt werden.

Die Zukunft der Windkraft liegt im Meer und - im Weltmaßstab - in windstarken, wenig bevölkerten Gegenden. China hat das größte Windkraftpotenzial.

Wenn sich Wohlstandsländer wie Deutschland die Investitionen in die klimaschonenden Energien nicht leisten wollen, werden diese in Entwicklungsländern erst recht keine Chance haben - der Weg in ein neues Energiezeitalter bliebe versperrt.

CONTRA Denn die unsinnigen Öko-Symbole verschlingen Milliarden.

Von Christoph Rind

Niemand käme auf die Idee, an die Beifahrerseite seines Golfs ein Fahrrad zu schweißen und dann zu behaupten, er nutze der Umwelt, weil mit jedem gefahrenen Autokilometer das ökologisch vorbildliche Fahrrad mitfährt.

Genau nach diesem Prinzip funktioniert jedoch die Windkraft in unserem Land.

Die Öko-Räder drehen sich wie die Reifen des eben beschriebenen Fahrrads, aber wie diese laufen sie fast nutzlos nebenher.

Denn für die sichere Rund-Um-die-Uhr-Versorgung unseres Stroms sorgen allein die herkömmlichen Kraftwerke, so wie der Golf die Strecke auch ohne das Fahrrad zurücklegen würde.

Mehr noch: Die Kraftwerke, die ihren Strom aus Kohle, Gas oder Uran gewinnen, müssen umso mehr Energie vorhalten, je mehr Windräder es in unserem Lande gibt.

90 Prozent der Kapazität jedes Windrades muss als herkömmliche Energie in Reserve bereit stehen. Sonst säßen wir bei Windstille ohne Strom da, denn auf die Ökoräder ist kaum Verlass.

Übers Jahr gerechnet, liefern Windräder an 150 Tagen nicht einmal zehn Prozent ihrer rechnerischen Kapazität.

Sie schwächeln nicht nur bei Windstille, sondern auch bei allzu starken Stürmen. Dann müssen nämlich die Rotoren blockiert werden, damit die Technik keinen Schaden nimmt.

Bläst der Wind mal ökostromgerecht, wird die zeitgleich als Sicherheitspuffer benötigte herkömmliche Energie - etwa in Form von Dampf - an den Turbinen vorbeigeleitet.

So verpufft der Ökostrom auf Umwegen in unserer eh schon belasteten Atmosphäre - und zieht uns dazu das Geld aus der Tasche.

Denn dieser Unsinn verschlingt Milliarden Euro. Zurück zum Golf: Mit angeschweißtem Rad braucht der natürlich mehr Sprit, die Fahrt wird teurer.

Damit überhaupt jemand ein Fahrrad an sein Auto schweißt, muss der Staat mit saftigen Prämien dazu verlocken. Das sind die Zwangsabgaben, die per Gesetz unsere Strompreise inzwischen auf europäisches Spitzenniveau katapultiert haben.

Sie fließen an die Windradbetreiber, denen ein am Markt nie zu erzielender Traumpreis für jedes einzelne Kilowatt garantiert wird.

Inzwischen liegt der Staatsanteil beim Strompreis bei 41 Prozent. Wenn wir diese teure Öko-Symbol-Politik nicht bald stoppen, wird uns die Entscheidung irgendwann abgenommen:

Spätestens dann, wenn wir es uns nicht mehr leisten können.

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