11.12.2007, WELT
Eiskalt abserviert
Zoo-Vorstand wird zum Knut-Opfer
Er machte Knut zum Star und spülte Millionen in die Kasse. Jetzt hat sich der Berliner Zoo vorzeitig von seinem Geschäftsführer getrennt. Der Hintergrund: unüberwindliche Differenzen über die Führung des Zoos und die Vermarktung des weltweit bekanntesten Eisbären.
Der Berliner Zoo hat keinen eigenen kaufmännischen Direktor mehr.
Uhlich steuerte drei Jahre die Zoo-Finanzen
Hintergrund der Trennung sollen massive Differenzen über Führung und Vermarktung des artenreichsten Zoos der Welt sein.
Ausschlaggebend war der Streit über die Vermarktung von Eisbär-Star Knut.
So hat der 51-jährige Uhlich es nicht vermocht, sich mit Zoo-Direktor Blaszkiewitz auf eine gemeinsame Linie zur Präsentation und Vermarktung zu einigen.
Zoologen war der wochenlange Medienrummel und Zuschauerandrang rund um den Eisbären suspekt.
Sie befürchteten eine Ausbeutung des Tieres und standen der vermenschlichten Geschichte des von seiner Mutter Tosca verstoßenen Babys sowie dem Personenkult um Knuts Pfleger skeptisch bis ablehnend gegenüber.
So geriet Uhlichs Medienoffensive in Widerspruch zu den zoologisch und wissenschaftlich ausgerichteten Interessen in der Zoo-Führung.
Andere Tiere vernachlässigt
Kritiker halten Uhlich vor, dass er sich nur auf Knut konzentrierte und die anderen 14000 Tier im Zoo vernachlässigte.
Denn Uhlich hatte die Vermarktung des Publikumslieblings energisch vorangetrieben.
Er gründete die Marke „Respect Habitat.Knut“, unter deren Dach Firmen Knut-Lizenzen kaufen können.
Dank Knut erhöhten sich die Einnahmen des Zoos im laufenden Jahr auf geschätzte acht bis zehn Millionen Euro. Der Zoo wird im Geschäftsjahr 2007 voraussichtlich schwarze Zahlen schreiben.
Ärger gab es auch ums Konzept
Ärger gab es aber auch ums Konzept. Uhlich, früher Manager in der Metall- und Textilindustrie, wollte den Zoo in einen „Businesspark“ verwandeln. Doch Detailpläne wurden bislang nicht vorgelegt – auch nicht für das stark defizitäre Tochterunternehmen Tierpark.
Dabei ist der Handlungsbedarf groß. Die Zuwendungen des Landes Berlins sind in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken.
Früher erhielten Zoo und Tierpark pro Jahr rund zwölf Millionen Euro. Im kommenden Jahr bekommt der Zoo nur noch 1,8 Millionen Euro, der Tierpark 6,7 Millionen Euro.
copyright © 2004 www.leinenlos.org Donnerstag, 20.November 2008