24.12.2007, MOPO
MENSCHEN MIT HERZ - SIE MACHEN UNS MUT, SIE GEBEN UNS HOFFNUNG!
Rose - Beistand für gestresste Mütter
Die Hamburgerin Rose Volz-Schmidt hilft mit "Wellcome" jungen Eltern
SIMONE PAULS
Über vernachlässigte Kinder mussten wir auch in diesem Jahr viel lesen. Häufig sind die Eltern dieser Kinder schon lange überfordert gewesen. Rose Volz-Schmidt hat ein Projekt entwickelt, das jungen Eltern hilft - bevor es vielleicht zu spät ist.
Sie hatte noch gedacht: "Das mit dem Baby, ach, das wird ganz locker." Und lag damit total daneben. Rose Volz-Schmidt war 36 Jahre alt, sie hatte gerade ihr erstes Kind bekommen, steckte bis zum Hals im Baby-Chaos und niemand half.
Ein Albtraum. Dass sie eines Tages mit einer Idee jungen Familien helfen würde, auf die sogar die Bundeskanzlerin aufmerksam werden würde - zu diesem Zeitpunkt unvorstellbar. Aber 16 Jahre und zwei Kinder später ist genau das passiert.
"Wellcome" heißt das Projekt, das Rose Volz-Schmidt im Jahr 2002 in Niendorf gegründet hat. Ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützen junge Eltern in der ersten Zeit - mit kleinen praktischen Hilfen. Sie kümmern sich ums Geschwisterkind, übernehmen Einkäufe, spielen mit dem Baby. Damit Mutter auch mal eine Auszeit hat.
Eine Auszeit, die hätte sich Rose Volz-Schmidt (52) damals auch gewünscht. Aber ihr Mann musste arbeiten, die Verwandtschaft lebte weit weg und alle Freunde waren im Sommerurlaub. Allein mit einem Säugling, eine Herausforderung. "Man fühlt sich unausgeschlafen und schwach, man ist sich selber fremd", sagt sie über die erste Zeit als Mutter.
Dass Verwandte und Nachbarn in der ersten Zeit helfen, ist selten geworden. "Das soziale Netzwerk von früher gibt es nicht mehr. Deshalb müssen wir neue Systeme erfinden", sagt Rose Volz-Schmidt. Mittlerweile hat die Leiterin der Familienbildungsstätte im Kirchenkreis Niendorf mehr als 50 "Wellcome"-Teams in acht Bundesländern aufgebaut. In Hamburg gibt es zehn Standorte. Die Kundinnen stammen von der alleinerziehenden Hartz-IV-Mutter bis hin zur Akademikerin aus allen Schichten.
Einfach mal wieder in der Badewanne liegen, sich mit der Freundin treffen - dafür, dass das zwei bis drei Mal in der Woche klappt, sorgt "Wellcome". Außerdem haben die Helfer Adressen von Beratungsstellen parat. "Die Mutter soll sich nach dem Besuch wohler fühlen. Die Bindung zwischen Mutter und Kind leidet, wenn sie überfordert ist", sagt Rose Volz-Schmidt.
Dass sie mit ihrer Idee richtig lag, sieht man an ihrem Schreibtisch. Dort stapeln sich Preise. "Social Entrepreneur", "Hamburger Bürgerpreis", "HanseMerkur-Preis für Kinderschutz" und viele mehr. Am 17. Dezember hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sogar die Schirmherrschaft übernommen.
Über all diese Auszeichnungen freut sich Rose Volz-Schmidt sehr. Fast noch mehr gefreut hat sie sich aber neulich, als ihre Tochter (12) sagte: "Wenn ich groß bin, will ich etwas erfinden, was die Welt ein bisschen besser macht. So wie du."
Info:
"Wellcome"
In Hamburg gibt es die Einrichtung an zehn Standorten
drei Mal im Bezirk Altona, zwei Mal in Nord und je ein Mal in den restlichen Bezirken. Die meisten Betreuer kommen zwei bis drei Mal pro Woche für einige Stunden in die Familie. Eine Stunde kostet vier Euro, Ermäßigungen sind möglich. Die Nummer der Niendorfer Zentrale lautet (040) 58950271, sie ist Montag bis Freitag von 9 bis 12.30 Uhr besetzt. E-Mail buero@well come-online.de. Informationen über das Projekt gibt es auch im Internet unter www.wellcome-online.de.
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