28.11.2007, Claus-Dieter Kraft
Systemisch nachweisbare Zusammenhänge
Egomanen und Egozentriker
Es gibt einen systemischen Zusammenhang zwischen Menschen mit autokratischer Lebenseinstellung, die ich charakterlich als Egomanen und Egozentriker einstufe, also Menschen ohne soziales Gewissen und nennenswertem Gespür für Moral, welche aus sich heraus "gut" und "böse" unterscheiden kann.
Disposition zur Korruption
Es gibt aus systemischer Sicht auch einen Zusammenhang zwischen Menschen mit autokratischer Lebenseinstellung und Bereitschaft und Disposition zur Korruption. Nicht jeder autokratische Mensch ist in korrupte Handlungen verwickelt, aber jeder korrupte Mensch ist Autokrat, also Egomane oder Egozentriker.
Skrupellosigkeit
Es gibt einen weiteren systemischen Zusammenhang zwischen Autokraten und Skrupellosigkeit. Sie haben z.B. keinerlei Skrupel Positionen zu besetzen, für die sie gar nicht qualifiziert sind.
Lern-Resistenz
Es gibt ebenfalls einen Zusammenhang zwischen autokratischen Lebenseinstellungen und Lern-Resistenz.
amit meine ich nicht, dass, das Autokraten nicht enormes Wissen durch Auswendig-lernen "an Bord" nehmen können, aber sie können aus sich heraus keine Rückschlüsse ziehen, neue Erkenntnisse gewinnen.
Das müssen sie sich wieder von anderen holen und häufig genug geben sie dieses gestohlene Wissen als ihr eigenes aus.
Resistenz auf öffentlichen Druck
Es gibt einen weiteren systemischen Zusammenhang von Autokraten und der Resistenz auf öffentlichen Druck, wie wir es z.B. im Fall Poggendorf erlebt haben.
Es fehlt die Fähigkeit zur Selbskritik und zum Rechtsbewußtsein.
Burschenschaft
Autokraten haben außerdem eine Vorliebe zu Gemeinschaften, bei denen sich alle schwören, dass sie sich im Leben aus den jeweiligen Positionen heraus helfen werden, wie wir es von Burschenschaften, Freimaurern und diversen religiösen und wirtschaftsorientierten Clubs kennen.
Trojaner
Ein weiterer systemischer Zusammenhang zwischen Autokraten und Trojanertum, also der Fähigkeit anders zu erscheinen, als derjenige wirklich handelt.
Mobbingkultur
Es gibt einen systemischen Zusammenhang zwischen Autokratentum und der instinktsicheren Anwendung von allen Varianten von "Mobbing-"-Kommunikationen, also Kommunikations- und Verhaltensmustern, die auf die immateriellen und/ oder materiellen existenziellen Zerstörungen der Persönlichkeiten der ausgemachten Gegner und Feinde abzielen.
Autokraten sind in meiner Systematisierung "der Mob", der sich durch alle Organisationen und Positionen unserer Gesellschaft zieht.
Aus systemischer Sicht ist es nachgewiesen, dass "der Mob" immer zur schweren Schädigung und letzlichen Zerstörung der Gesellswchaften, bei denen sie TOP-Positionen besetzen, führt, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und unschädlich gemacht werden.
Schaden von Korruption und seine Behebung
Hier ist eine Erfolgsgeschichte einer wunderbaren Rettung einer stadteigenen Bankgesellschaft, die eigentlich schon durch korrupte, politische "Killerviren in Menschengestalt" dem Tod geweiht war.
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17.12.2006, WELT
Landesbank Berlin wieder gut im Geschäft
Vor kaum fünf Jahren drohte der Berliner Bankgesellschaft die Pleite. Die Affäre um Filz und Misswirtschaft erschütterte die Stadt. Seitdem schreibt die Bank eine Erfolgsgeschichte.
Aschfahl irren die Politiker an jenem Sommertag 2001 durchs Rote Rathaus. Gerade hat der Senat bestätigt, was schon länger als Gerücht über Flure und durch Telefondrähte schwirrte:
Die Stadt muss die Bankgesellschaft Berlin vor der Pleite retten. Mit bis zu zwei Milliarden Euro. "Es ist unglaublich", jammert SPD-Landeschef Peter Strieder. Jetzt müsse der Bürger für die Bank zahlen, die doch dafür da sei, der Stadt Geld einzubringen. Banker werden verhaftet, auf der Straße demonstriert erregtes Volk.
Wenig später beschließen die Landesparlamentarier trotz beißender Bauchschmerzen, für die landeseigene Bank bis 2032 Risiken aus Immobiliengeschäften von bis zu 21,6 Milliarden Euro zu übernehmen.
Fünf Jahre nach dem größten Bankenskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte hat mittlerweile gefasster Optimismus die damalige Endzeitstimmung verdrängt.
Die Sanierung der skandalumwitterten Bankgesellschaft ist sogar eine Erfolgsgeschichte, die in Berlin ihresgleichen sucht.
Kommende Woche erreicht der Prozess gegen die entscheidenden Bankmanager um den ehemaligen CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky mit den Plädoyers ihren Höhepunkt. Die strafrechtliche Aufarbeitung ist so gut wie abgeschlossen. Bisher kamen die Manager mit glimpflichen Strafen davon.
Auch Berlin ist mit einem blauen Auge aus der Affäre gekommen, an der einst die Koalition von CDU und SPD zerbrach.
Nächstes Jahr wird das inzwischen zu Landesbank Berlin Holding AG umgetaufte Geldhaus mitsamt der Berliner Sparkasse verkauft. Die EU wollte es so. Sonst hätte sie die Kapitalspritzen nicht genehmigt.
Noch vor drei Jahren wollte der US-Investor Christopher Flowers die landeseigene Bank allenfalls für einen Euro übernehmen. Der Senat lehnte ab. Inzwischen stehen Verkaufserlöse von fünf, sechs, sieben Milliarden Euro im Raum. Die Landesbank verdient wieder Geld.
Vorstandschef Hans-Jörg Vetter setzte unlängst die Gewinnerwartung für 2006 von 500 auf 600 Millionen Euro vor Steuern herauf.
Die Bank hat sich gesundgeschrumpft, 10 000 Stellen abgebaut oder ausgelagert, Risiken abgetragen. Heute konzentriert sie sich auf ihr Kerngeschäft in Berlin-Brandenburg.
Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hat eine Bieterschlacht losgetreten, noch ehe voraussichtlich im Januar die Ausschreibung rausgeht.
Internationale Großbanken, Finanzinvestoren, deutsche Kreditinstitute wie die Commerzbank wollen ebenso mitbieten wie die deutschen Sparkassen.
Die 1,8 Millionen Kunden der Berliner Sparkasse erscheinen als lohnendes Ziel, seit weltweit die Geldhäuser versuchen das riskante Investment-Banking durch eine breite Basis im Privatkundengeschäft abzustützen.
Der klügste Coup des rot-roten Senats und wichtige Voraussetzung für den Bieter-Wettstreit ist das neue Sparkassengesetz.
Das erkennen sogar oppositionelle CDU-Abgeordnete neidlos an. Erstmals ermöglicht es privaten Investoren, eine öffentlich-rechtliche Sparkasse zu erwerben.
Vor drei Wochen hat die EU endgültig grünes Licht gegeben. Nun dürfen Privatbanken und das Sparkassenlager ihren Systemstreit im Kampf um die Landesbank Berlin austragen - und den Kaufpreis nach oben treiben.
Noch einen Ausweg behält sich Thilo Sarrazin offen: Sollte sich kein geeigneter Bieter finden, der viel bezahlt, den Firmensitz in Berlin behält und die regionale Wirtschaft mit Kapital versorgen will, geht Berlin mit seinem 81-prozentigen Bank-Anteil an die Börse. Vorstandschef Vetter würde diese Variante bevorzugen. Er bliebe dann wohl auch sicher am Ruder.
"Sarrazin hat den richtigen Mann geholt", spart der PDS-Finanzexperte Carl Wechselberg nicht mit Lob für Senator und Bank-Boss. "Und wir als Politik haben ihn in Ruhe gelassen." So konnte Vetter ungestört sanieren.
Das fiel gerade einer rot-roten Regierung nicht leicht. Die Empörung über vermeintlich kriminelle Raffke-Manager und die Milliardenbürgschaft für die Immobilienrisiken schlug Wellen.
Erst das Landesverfassungsgericht stoppte ein Volksbegehren, die Milliardenbürgschaft für die Immobilienrisiken zu kippen. Dass nun die kommunale Sparkasse möglicherweise an Private verkauft wird, halten viele in SPD und Linkspartei.PDS noch immer für einen Verrat an linken Idealen.
Aber die Pragmatiker, die 2002 die massive Landeshilfe für die Bank durchsetzten, fühlen sich heute bestätigt. Die Alternative, die Bank insolvent gehen zu lassen, wäre unvergleichbar teurer geworden.
"Ich habe bei 28 Milliarden Euro aufgehört zu rechnen", sagt PDS-Politiker Wechselberg.
Jetzt kalkuliert der Finanzsenator die tatsächliche Belastung aus den vom Land übernommenen ehemaligen Bankgesellschafts-Immobilien mit sechs bis 6,5 Milliarden Euro bis 2032.
Zusammen mit den Kapitalspritzen der Vergangenheit hätte der Bankenskandal Berlin dann zehn Milliarden Euro gekostet. Mit einem guten Kaufpreis erhielte Berlin also einen wichtigen Teil seines Einsatzes zurück.
Schon wird deshalb in der CDU erwogen, die alte Position hervorzuholen, wonach der Bankenskandal in Wahrheit nicht so dramatisch gewesen sei.
Die SPD habe die Affäre nur aufgebauscht, um aus der ungeliebten Großen Koalition zu entkommen und Rot-Rot zu starten. Diese Lesart weist die Koalition freilich zurück: Man hätte ja in der Zwischenzeit auch Geld verdienen können mit der eigenen Bank, die Berlin jetzt aus der Hand gibt.
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copyright © 2004 www.leinenlos.org Freitag, 29.August 2008