13.11.2004, Berliner Zeitung
Keine Steuern, aber Spenden veruntreut?
Tierheim-Affäre: Die Chefs ziehen sich zurück - nach Brandenburg und auf die Malediven
Marcel Gäding
Zumindest Steuergeld wurde im Tierheim nach ersten Erkenntnissen des Bezirksamtes Lichtenberg nicht veruntreut.
Wie der zuständige Umweltstadtrat Andreas Geisel (SPD) am Freitag sagte, habe es in der vom Land finanzierten Tiersammelstelle keine Unregelmäßigkeiten gegeben.
"Wir haben keinen Anhaltspunkt dafür. " Der Bezirk ist stellvertretend für das Land Berlin für diesen Teil des Tierheims zuständig.
Deshalb kontrollieren Geisels Leute die Arbeit der Tiersammelstelle regelmäßig: "Wir führen Buch und erfassen jedes eingelieferte Tier.
" Nichtsdestotrotz wirft der Präsident des Tierschutzvereins Wolfgang Apel dem bisherigen Vorsitzenden Volker Wenk weiterhin Betrug, Unterschlagung, Urkundenfälschung und verdeckte Vorteilsnahme vor.
Apel hat den Schaden mit einer sechsstelligen Summe beziffert und nicht ausgeschlossen, dass bis zu 600 000 Euro Spendengeld zweckentfremdet wurden. Unter anderem vermutet Apel auch Unregelmäßigkeiten bei Gehaltszahlungen.
Das Land Berlin wurde dadurch aber nicht geschädigt. Mit der Kontrolle über die Tiersammelstelle endet auch der Einfluss der öffentlichen Hand auf die Arbeit des Tierheims. Denn das wird, anders als die Tiersammelstelle, komplett privat durch die Beiträge der Mitglieder des Tierschutzvereins und durch Spenden finanziert.
Das Land zahlt für die Tiersammelstelle rund 440 000 Euro im Jahr, sagte Geisel.
"Abgerechnet wird pro Fall. " Der Tierschutzverein betreibt die Tiersammelstelle im Auftrag des Landes. Anfang des Jahres aber gab es für die Einrichtung eine Ausschreibung, weil der Verein unter seinem damaligen Vorsitzenden Wenk plötzlich doppelt so viel Geld haben wollte - rund 980 000 Euro im Jahr.
Schließlich gab Wenk nach und begnügte sich mit den 440 000 Euro. "Das hat uns schon etwas nachdenklich gemacht", sagte Geisel.
Volker Wenk hat sich auf sein vier Hektar großes Gut im südbrandenburgischen Proßmarke (Elbe-Elster) zurückgezogen.
Aus der Ferne verfolgt er die Anschuldigungen gegen sich und seine Frau Carola Ruff, die Wenk zu Folge bis Ende November auf den Malediven weilt und nichts von den Vorwürfen weiß.
"Ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagte Wenk der Berliner Zeitung. "Ich weiß nicht, was die wollen. " Er sehe einer Prüfung durch die Staatsanwaltschaft gelassen entgegen. "Von mir aus können die gerne herkommen, wir haben nichts zu verbergen. "
Unruhe herrscht derweil im Ort Proßmarke. Statt der Lokalzeitungen aus dem Landkreis lassen sich Nachbarn von Carola Ruff und Volker Wenk Zeitungen aus Berlin kommen, um sich über die Anzeige gegen die beiden zu informieren.
Sie ist das Thema Nummer eins auf den Straßen. "Wir sind schockiert, uns fehlt die Sprache", sagt ein älterer Mann. "Die beiden waren immer nett und hilfsbereit. "
Jetzt sei man sehr enttäuscht. Nach Proßmarke kamen Carola Ruff und Volker Wenk 1992, um ein stattliches Bauernhaus zu kaufen.
Das ließen sie samt Scheune ausbauen. Das Anwesen ist sehr großzügig gestaltet und von meterhohen Zäunen umgeben.
Es gibt künstliche Teiche vor und einen großen, naturnah gestalteten Teich hinterm Haus. Alles wirkt sehr liebevoll und wurde unter anderem von ortsansässigen Firmen fertig gestellt.
Diese wiederum waren später beim Bau des Tierheims in Falkenberg beteiligt. Zwei Unternehmen bestätigten dies der Berliner Zeitung, erklärten aber, dass alles korrekt abgerechnet worden sei.
Wenk sagte auch, dass Firmen aus seinem Heimatort in Falkenberg zu tun hatten. "Allerdings erst, als der Bau fertig war. "
Es sei um Nachbesserungen gegangen, die einen Auftragswert zwischen 5 000 und 15 000 Euro hatten.
Offensichtlich verstand sich Wenk mit den Firmen gut.
Drei davon tauchten im Juli in Falkenberg erneut auf, als im RBB-Fernsehmagazin "zibb" zum Bau einer Hundespielwiese aufgerufen wurde.
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