Heim der verlassenen Tiere

02.08.07, Abendblatt
Schicksal Ältere Hunde und Katzen haben kaum eine Vermittlungschance

Heim der verlassenen Tiere

Im Lüneburger Tierheim herrscht in der Ferienzeit Hochbetrieb. 83 Katzen und 30 Hunde warten zurzeit auf ein neues Zuhause.

Von Julia Steinberg-Böthig

Lüneburg - "Wir haben in den vergangenen drei Wochen acht Hunde und zehn Katzen dazubekommen", sagt Selina Martens, zuckt resigniert mit den Schultern und fügt hinzu: "Und die Ferien sind noch längst nicht zu Ende."

Die Leiterin des Lüneburger Tierheims an der Bockelmannstraße weiß, dass besonders in der Ferienzeit vermehrt Tiere bei ihr und ihren Mitarbeitern abgegeben werden.

Es wird sehr eng werden, denn schon jetzt platzt das Auffangbecken für Tiere, deren Besitzer sie nicht mehr haben wollen, aus allen Nähten.

"Wir haben Platz für 25 Hunde, müssen aber jetzt schon 30 unterbringen. Das Katzenhaus ist für 60 Stubentiger ausgelegt. Untergebracht sind aber 83", zählt Martens auf.

"Dazu kommen noch jede Menge Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse und Ratten. Die nächsten Tiere müssen wir übergangsweise dann in der Futterküche oder im Pausenraum unterbringen."

Um die acht kleinen Babykatzen, die von einer verschuldeten Familie abgegeben wurden, macht sich die Tierheimleiterin keine großen Sorgen. "Welpen finden schnell wieder ein Zuhause, traurig ist es für die älteren, denn sie sind immer zweite Wahl."

Sorgen mache sie sich um Red. Der Setter-Mix lebt schon seit April 2006 im Tierheim. Spaziergänger fanden ihn angebunden an einem Baum irgendwo zwischen Melbeck und Velgen.

Der etwa sechsjährige Rüde hatte Glück, dass er noch rechtzeitig gefunden wurde. Ein anderes Findelkind ein paar Wochen später hat es nicht geschafft.

Der Hund starb auf dem Weg zum Tierarzt. Deshalb ist Selina Martens froh, wenn die Tiere bei ihr abgegeben, anstatt irgendwo ausgesetzt werden. "Ich bin zwar wütend und könnte direkt platzen, wenn mir die Leute erzählen, sie hätten den Hund gefunden und es aber doch ganz offensichtlich ihr Tier ist.

Doch ich sage mir immer wieder: Besser so, als irgendwo ausgesetzt." Schäferhundmischling Timmi hat es besonders hart getroffen:

Sein ehemaliger Besitzer brachte ihn ins Tierheim, weil er seine Wohnung verloren hatte. Dort stellte man bei dem abgemagerten Tier eine Bauchspeicheldrüsenfehlfunktion fest. "Seine Medikamente kosten im Monat rund 70 Euro. Viele können sich das einfach nicht leisten. Eine Vermittlung in ein neues Zuhause ist sehr schwer", so Selina Martens.

Eine Alternative sind die offenen "Gassizeiten". Täglich außer sonntags von zehn bis 14 Uhr und sonnabends bis 13 Uhr können sich Hundeliebhaber, Tiere zum Spazierengehen abholen. "Es gibt viele, die gern einen Hund hätten, aber aus unterschiedlichsten Gründen keinen halten können oder dürfen.

Auf diese Weise profitieren sowohl unsere Hunde als auch die Menschen. Besonders Kinder kommen oft", so Martens. Wer das Tierheim unterstützen möchte kann sich auf der gemeinsamen Homepage von Tierheim und Tierschutzverein Lüneburg über die unterschiedlichen Möglichkeiten informieren: www.tier schutzverein-lueneburg.de

www.leinenlos.org - gegen generellen Leinenzwang copyright © 2004 www.leinenlos.org Freitag, 29.August 2008