02.08.07, Hamburger Abendblatt
Tierheim Urlauber setzen Vierbeiner in erschreckendem Mass aus
"So schlimm wie nie zuvor"
Die Lage in der Elmshorner Einrichtung wird kritisch: Käfige sind bereits überbelegt. Neue Besitzer dringend gesucht.
Von Arne Kolarczyk
Elmshorn - Das Tierheim Elmshorn platzt aus allen Nähten. "So schlimm war es lange nicht mehr", sagt Gabriele Witt, Vorsitzende des Tierschutzvereins. Sie beklagt eine regelrechte Welle von Aussetzungen zur Ferienzeit.
So wurden 20 Farbmäuse in einem Pappkarton im Wald sich selbst überlassen. Sieben Meerschweinchen saßen in einer Kiste vor dem Tierheim. Vor der Tür der Herberge wurden auch sieben Katzenwelpen entdeckt - ebenfalls in einem Pappkarton.
"Ich bin erschüttert", sagt Gabriele Witt. In den vergangenen drei Jahren sei es im Sommer kaum zu Aussetzungen gekommen. "Wir hatten gedacht, dass sich im Bewusstsein der Menschen etwas verändert hat."
Insbesondere bei den Katzen ist die Lage kritisch. 120 Tiere sitzen in Käfigen, in denen sich normalerweise etwa 60 bis 70 Vierbeiner tummeln. "Häufig werden Hauskatzen nicht kastriert. Wenn es dann soweit ist, wird die Verantwortung einfach abgeschoben", so Witt weiter.
Was sie ebenfalls sorgenvoll beobachtet: Inzwischen geht der Trend dahin, alte und vor allem kranke Tiere quasi zu "entsorgen". "Die verursachen Kosten, sind nicht mehr so agil wie früher, also weg damit", so die Tierschutzvereins-Chefin.
Ein Beispiel: der fünf Jahre alte Schäferhund-Mischling Groszek. Einst aus Polen von sogenannten Tierschützern in den Norden Deutschlands vermittelt, wartet das arme Tier am Justus-von-Liebig-Ring jetzt auf neue Besitzer. "Groszek ist lieb, versteht sich mit allen. Er ist Epileptiker und benötigt täglich eine Tablette", so Gabriele Witt.
Der Aufenthalt im Tierheim verursacht Stress, was für den Vierbeiner nicht gesundheitsfördernd ist. "Er braucht ganz dringend ein liebevolles Zuhause."
Das hat ihm die Vorbesitzerin nicht geboten. Sie gab den Hund wegen persönlicher Probleme ins Tierheim. Angeblich nur für zwei Wochen. Das war im Juni. Witt: "Jetzt ist sie spurlos verschwunden".
24 Hunde sind im Tierheim untergebracht. Darunter viele nicht ganz einfache Fälle, die einzeln gehalten werden müssen. "Auch hier ist unsere Kapazität ausgeschöpft", so Witt.
In den nächsten Tagen müssen zudem mehrere Hunde aufgenommen werden, die einer Frau in Schleswig weggenommen wurden. Dort waren auf einem verwahrlosten Areal 70 Tiere entdeckt worden, die nun landesweit auf Herbergen verteilt werden.
Auch 26 Kleintiere fristen zur Zeit ihr Dasein im Tierheim. Die Einrichtung öffnet für die Vermittlung montags, mittwochs, freitags und sonnabends von 15 bis 18 Uhr.
copyright © 2004 www.leinenlos.org Donnerstag, 20.November 2008