Tierschutzverein Polizei ermittelt mit Hochdruck wegen des Verdachts der Untreue
Poggendorf gerät immer mehr unter Druck
Die Welle der Empörung über den Sylter Immobiliendeal von Wolfgang Poggendorf (Vorsitzender des Hamburger Tierschutzvereins) reißt nicht ab.
Jetzt äußerte sich auch Klaus Nahrstedt, der Vorgänger von Poggendorf.
Er zeigte sich "schockiert über den Wohnungskauf. Das hätte ich in meiner Amtszeit nicht gemacht", betonte er.
Unterdessen laufen die Ermittlungen des Landeskriminalamtes gegen Wolfgang Poggendorf wegen des Verdachts der Untreue auf Hochtouren. Das bestätigte Polizeisprecher Andreas Schöpflin (36) dem Abendblatt.
Viele Abendblatt-Leser reagierten empört über die Vorfälle. "Mit dem letzten Funken Anstand sollte der Vorsitzende des HTV die Konsequenzen ziehen und seinen Rücktritt einreichen", schrieb Ursula Lindemann.
Und Thomas Aders aus Winterhude fragte: "Wieso kann der Vorstand dem Gebaren von Herrn Poggendorf keinen Einhalt gebieten?" Diese Antwort blieb Kirsten Weckel, zweite HTV-Vorsitzende, am Freitag schuldig: "Das ist ein schwebendes Verfahren, ich möchte nichts weiter dazu sagen."
Tierschützer Poggendorf ist seit Donnerstag untergetaucht. Der 70-Jährige ist weder im Tierheim, noch unter seiner Privatnummer oder auf einem seiner beiden Mobiltelefone erreichbar. Sein Anwalt Hartmut Reclam war auch nicht erreichbar.
Die Karriere Poggendorfs beim HTV beginnt Ende der 80er-Jahre. Bei einer Jahreshauptversammlung im September 1989 wird er den Mitgliedern vom Vorstand als Geschäftsführer vorgestellt.
Im Jahre 1991 trennen sich der HTV und Poggendorf in gegenseitigem Einvernehmen. Damals hieß es aus Vereinskreisen, Poggendorf habe versucht, die Vorstandsmitglieder gegeneinander auszuspielen, und deswegen seinen Job verloren.
Doch im September 1995 kehrt er zurück: Während eines Kurzurlaubs der damaligen ersten Vorsitzenden Susanne Kubiak unterschreibt der übrige Vorstand einen Arbeitsvertrag, der Poggendorf wieder zum Geschäftsführer macht.
Susanne Kubiak tritt daraufhin zurück.
Im Jahre 1999 wird der als Poggendorf-Vertrauter geltende Klaus Nahrstedt zum Ersten Vorsitzenden gewählt, obwohl er dem Verein noch keine drei Jahre angehört, wie es die Satzung vorschreibt.
Nahrstedt tritt kaum öffentlich auf. Dagegen wird Poggendorf immer mächtiger und setzt durch, dass er als Geschäftsführer automatisch Mitglied im Vorstand des HTV ist. Als Klaus Nahrstedt im Oktober 2005 sein Amt als Vorsitzender aus persönlichen Gründen niederlegt, übernimmt Poggendorf zunächst übergangsweise ab dem 1. Januar den Vorsitz.
Bei der Mitgliederversammlung Ende April wurde Poggendorf dann offiziell gewählt.
Die rund 7000 Mitglieder des HTV konnten aber auch bereits im Vorfeld per Briefwahl wählen. Und da gab es schon Kritik: Denn Wolfgang Poggendorf war nicht nur der einzige Kandidat - man konnte auch nicht gegen ihn stimmen.
Denn auf dem Zettel gab es nur ein Kästchen mit der Überschrift "hier ankreuzen". Ein Ja oder Nein war nicht möglich.
Experten kritisierten deshalb das Wahlverfahren als "undemokratisch". Gegen ein Mitglied, das das Wahlverfahren im Abendblatt ebenfalls kritisierte, wurde dann ein Ausschlussverfahren eingeleitet.
Unterdessen ist Poggendorf bereits zum 31. Dezember 2005 als HTV-Geschäftsführer ausgeschieden. Einen Nachfolger gibt es nicht.
ug
copyright © 2004 www.leinenlos.org Dienstag, 07.Oktober 2008