28.07.2008 - Tierschutz-Polizei
28.07.2008, Abendblatt
Tierschutz: 150 Fälle pro
Jahr Polizeidienststelle macht Jagd auf Tierquäler
Dirk Poschmann und seine Kollegen verfolgen die Täter. Denen droht bis zu drei Jahre Haft.
Katzen landen auf den Pfoten. Fast immer. Doch gegen böse Herrchen ist selbst die geschickteste Katze machtlos. Das Tier, das von seinem Besitzer aus dem siebten Stock eines Hochhauses an der Straße Kroogblöcke (Horn) geworfen wurde - es hatte keine Überlebenschance.
Doch ihr Tod bleibt für den Besitzer nicht folgenlos. Bei Frank Wolff (47) und seinen Kollegen des Sachbereichs Tierschutz (Fachdienststelle Umwelt) der Hamburger Polizei wird die Tat aufgearbeitet. Etwa 150 solcher Fälle bekommen sie jedes Jahr auf den Tisch. Tatbestand: Tierquälerei. "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen", zitiert der Hauptkommissar das Gesetz.
Auf seinem Schreibtisch stapeln sich die Akten. Jede einzelne ein Tierschicksal. Igel, die von Jugendlichen als Fußbälle missbraucht werden. Rottweiler, die wie Möbelstücke in Wohnungen zurückgelassen wurden. Zander, die unter einem Fischernetz gefangen sind und dort nach Tagen grausam verenden. "Die Spitze des Eisbergs" nennt Wolff diesen Stapel. Hauptkommissar Dirk Poschmann (39), Leiter der Fachdienststelle Umwelt, sagt: "Die Dunkelziffer der Tierquälerei dürfte deutlich höher liegen."
Nicht selten leben Täter an Tieren sadistische Fantasien aus. Oder sexuelle. Andere Tierhalter sind überfordert, so wie der Eigentümer der Katze aus Horn. Er wollte das Tier einfach loswerden. Vor einer Strafe schützt das nicht. Der 45-Jährige wurde aufgrund von Zeugenaussagen überführt. Er musste 350 Euro an den Tierschutzverein zahlen, erhielt ein Tierhalteverbot und wurde zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. "Drei Jahre Gefängnis ist die Höchststrafe für Tierquälerei", sagt Poschmann.
Entscheidend für die erfolgreichen Ermittlungen der Polizisten ist die Zusammenarbeit mit den Tierärzten der Bezirke. Bei schwierigen Fällen von tödlicher Tierquälerei können Wolff und seine Kollegen zudem auf den "Dr. Quincy der Tiere" zurückgreifen: Im Institut für Hygiene und Umwelt in Rothenburgsort werden Kadaver von Dr. Dietrich Zander-Schmidt und seinen Kollegen obduziert.
Die Gedankenlosigkeit vieler Menschen wird Hauptkommissar Wolff und seinen Kollegen gerade in den kommenden Monaten viel Arbeit bereiten. Zahlreiche Angler töten ihren Fang nicht sachgemäß. Hunde sterben, weil ihre Herrchen sie im Auto vergessen. Ein Dogo Argentino starb vor kurzem an Hyperthermie in einem schwarzen Geländewagen, dessen Innenraum mehr als 70 Grad heiß war.
In den meisten Fällen führen Hinweise aus der Bevölkerung die Ermittler auf die Spur eines Täters. "Deshalb ist wichtig, dass Bürger die Polizei anrufen, wenn sie Tierquälerei beobachten", sagt Wolff. "Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Gewalt gegen Tiere ist kein Kavaliersdelikt. Es ist eine Straftat." axg
