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23.07.2008 - Drastischer Spendenrückgang beim HTV

23.07.2008, MOPO
VIEL ZU WENIG SPENDEN!
Notruf aus dem Tierheim
Altlast aus der Ära Poggendorf: Jetzt muss der Verein auch noch Steuern nachzahlen
STEPHANIE LAMPRECHT

Der lange Schatten des Wolfgang Poggendorf: Die Raffgier des Ex-Tierheimchefs bringt den Tierschutzverein auch Monate nach seinem Rauswurf in die finanzielle Bredouille: Die Spenden sind nach dem Bekanntwerden des Untreue-Skandals drastisch zurückgegangen, die Mitgliederzahl sank von einst 6800 auf knapp 6000 - und nun steht auch noch eine Steuernachzahlung an. Im Tierheim wollen trotz der massiven Geldsorgen 914 Tiere fressen, ausgeführt und betüdelt werden.

"Der Verein hat im vergangenen Jahr 880000 Euro Miese gemacht", sagt die neue Vereinschefin Gabriele Waniorek-Goerke und dementiert gleichzeitig das Gerücht, dass dem Verein der Entzug der Gemeinnützigkeit und damit die Insolvenz drohe: "Es wird zwar zu Steuernachzahlungen für den Verein kommen, aber die sind überschaubar."

Grund: Wolfgang Poggendorf, dem ein Prozess wegen fortgesetzter Untreue bevorsteht, hat Lohnsteuerbeträge nicht entrichtet. Die Steuerprüfer des Finanzamtes Nord bemängelten, dass der Verein in den Jahren 2004 bis 2006 auf "geldwerte Vorteile" für die Mitarbeiter keine Steuern gezahlt hat. Das muss nach geholt werden. Als "geldwerter Vorteil" gilt es etwa, wenn ein Mitarbeiter einen Dienstwagen hat.

Immerhin: Der neue Vorstand hat in "äußerst schwierigen Verhandlungen" mit dem Finanzamt erreicht, so die neue Vereinschefin, dass die Erbschaften aus den strittigen Jahren nicht nachversteuert werden müssen.

Trotz der prekären finanziellen Lage müssen Tierheimmitarbeiter nicht um ihren Job fürchten, verspricht die neue Chefin. Rund 80 Festangestellte (nicht alle Vollzeit) kümmern sich um 190 Hunde, 350 Katzen, 320 Kleintiere und diverse verletzte Wildtiere. Rund fünf Millionen Euro kostet das Tierheim im Jahr.

Einsparungen gibt es aber: "Wir haben kein Heer von Anwälten mehr, keinen teuren Geschäftsführer, die Vereinsleitung arbeitet kostenlos und zahlt sogar ihre Parktickets selbst und wir leisten uns derzeit auch keine Vereinszeitung." Die Verwaltungsrichterin wirbt um das Vertrauen der Hamburger Tierfreunde: "Die Ära Poggendorf ist vorbei. Jetzt kommt jeder gespendete Euro den Tieren zugute."