26.02.2008 - BND-Spitzel hat sich sechsfach bezahlt gemacht
26.02.2008, WELT
Erfolgreicher Schlag
BND-Spitzel hat sich sechsfach bezahlt gemacht
Razzien, Geständnisse, Steuernachzahlungen: Die Staatsanwaltschaft Bochum hat in der Liechtensteiner Affäre Bilanz gezogen – und feiert einen Erfolg auf ganzer Linie.
91 Steuersünder sind geständig, haben bereits 27,8 Millionen Euro an die Staatskasse gezahlt. Und die Ermittlungen sind noch lange nicht vorbei.
Die Staatsanwaltschaft Bochum hat im Rahmen einer der größten Ermittlungen gegen Steuersünder in der Geschichte der Bundesrepublik Wohnungen und Büros von rund 150 Beschuldigten durchsucht.
Es seien Steuern in „immenser Höhe“ hinterzogen worden, berichtete die Staatsanwaltschaft, die bei den bundesweiten Ermittlungen die Federführung hat. 91 Verdächtige hätten „den Sachverhalt eingeräumt und zum Teil bereits Abschlagszahlungen in Höhe von insgesamt 27,8 Millionen Euro geleistet“.
Die Summe erhöhe sich täglich. Der Bundesnachrichtendienst hatte für die Kundendaten der Bank Liechtenstein Gobal Trust (LGT) rund 4,2 Millionen Euro ausgegeben.
Oberstaatsanwalt Hans-Ulrich Krück bestätigte, dass bei den Ermittlungen neben der Liechtensteiner LGT-Bank der Name einer zweiten Auslandsbank „auffällig“ geworden sei.
Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge handelt es sich um die Vontobel Treuhand AG in Vaduz, einer Tochter der Schweizer Vontobel-Gruppe.
Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte am 14. Februar mit ihren Razzien begonnen. Damals durchsuchten die Fahnder auch das Haus des damaligen Post-Chefs Klaus Zumwinkel, der kurz darauf seinen Hut nahm.
Die Ermittler haben die meist sehr wohlhabenden Beschuldigten im Verdacht, über Liechtensteiner Stiftungen Gelder am Fiskus vorbei geschleust und so Steuern hinterzogen zu haben.
Sie verfügt über Unterlagen, die die Geldanlagen mehrerer hundert Personen betreffen. Ins Visier der Ermittler sind auch zwei Banken mit Niederlassungen in Liechtenstein und Mitarbeiter deutscher Geldhäuser geraten.
Die bislang von der Staatsanwaltschaft überprüften Stiftungen verfügen über ein Kapital von mehr als 200 Millionen Euro.
"Durch das Verschweigen dieses Kapitals und der darauf entfallenden Kapitalerträge wurden Steuern in immenser Höhe hinterzogen", sagte Oberstaatsanwalt Krück.
Die Fahnder schlugen vor allem im Großraum München (34 Fälle), Frankfurt (17 Fälle), Stuttgart (24 Fälle), Hamburg (30 Fälle) und Nordrhein-Westfalen (15 Fälle) zu.
Krück widersprach zudem Medienberichten, nach denen die Staatsanwaltschaft Bochum das ZDF über die bevorstehende Untersuchung beim früheren Post-Chef Klaus Zumwinkel vorab informiert habe.
Ein Kamerateam des Fernsehsenders hatte vor Ort gewartet, als die Fahnder die Villa von Zumwinkel in Köln durchsuchten.
Das gab Anlass zu Spekulationen, dass die Bochumer Staatsanwaltschaft den Journalisten einen Tipp gegeben hätte.
