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30.07.2008 - DOPING VOR OLYMPIA - Bestechungsversuch

30.07.2008, SPIEGEL ONLINE
DOPING VOR OLYMPIA

Bestechungsversuch und eine unerwünschte Sprinterin
20.000 Euro für eine negative B-Probe: Eine österreichische Triathletin soll versucht haben, Dopingkontrolleure zu bestechen. Das IOC will mit allen Mitteln verhindern, dass die griechische Leichtathletin Ekaterina Thanou bei den Olympischen Spielen startet.

Hamburg - Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und das Nationale Olympische Komitee Griechenlands (EOE) suchen nach Wegen, die griechische Sprinterin Ekaterina Thanou von den Olympischen Spielen in Peking auszuschließen.

Die Athener Zeitung "Ta Nea" veröffentlichte am Mittwoch einen Brief, in dem das EOE bei der Athener Staatsanwaltschaft angefragt hatte, welche Anklagen noch gegen Thanou vorliegen.

"Wir bitten um schnelle Antwort, die wir dann dem IOC vorlegen werden", heißt es unter anderem in dem abgedruckten Brief, den "Ta Nea" samt der Antwort der Staatsanwaltschaft publizierte.

Laut der Zeitung erklärten die Behörden, am 2. Februar 2009 stehe noch ein Prozess gegen Thanou wegen Meineids aus. Dies könnte nach Ansicht des Blattes für das IOC ausreichen, Thanou einen Start in Peking zu verwehren.

Thanou will vier Jahre nach dem Riesenskandal bei den Spielen in Athen ein Olympia-Comeback in der chinesischen Hauptstadt feiern. Der griechische Leichtathletik-Verband (Segas) nominierte sie, nachdem die Sprinterin am 14. Juli die griechische Olympianorm (11,42 Sekunden) für die 100 Meter mit 11,39 Sekunden erfüllt hatte.

Die IOC-Exekutive wird am 2. und 3. August entscheiden, ob die Athletin in Peking starten darf. Thanou und der griechische Sprinter Konstantinos Kenteris hatten einen Tag vor Beginn der Olympischen Spiele 2004 einen Dopingtest verpasst und dadurch für einen Skandal gesorgt. Sie wurden damals für zwei Jahre gesperrt.

20.000 Euro für eine negative B-Probe

Der österreichische Sport wird kurz vor den Olympischen Spielen in Peking von einer neuen Dopingaffäre belastet. Nach einem Bericht der Tageszeitung "Kurier" wird der Triathletin Lisa Hütthaler vorgeworfen, im Doping-Analyselabor in Seibersdorf bei der Öffnung der B-Probe versucht zu haben, eine dortige Mitarbeiterin zu bestechen.

Für 20.000 Euro sollte diese nach dem Bericht für ein negatives Resultat der Analyse sorgen. Hütthaler war Anfang Mai positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet worden. Zweieinhalb Jahre nach dem Dopingskandal bei den Olympischen Winterspielen in Turin, in den österreichische Skisportler verwickelt waren, ist dieser Fall im Nachbarland besonders pikant.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hat die österreichische Bundesregierung laut "Kurier" bereits Mitte Juni in einem Schreiben über den angeblichen Bestechungsversuch informiert. "Das Labor hat uns durch den Leiter des Labors den Bestechungsversuch bestätigt", heißt es in dem Brief: "Es scheint sich hier um einen Kriminalfall zu handeln."

Die Polizei ermittle gerade in dem Fall, bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Wada bestätigte am Mittwoch, den Brief an die österreichische Regierung geschrieben zu haben. "Da es ein laufendes Verfahren ist, kann die Wada keine weitere Stellungnahme dazu abgeben", erklärte Sprecher Frédéric Donzé.

Hütthalers Rechtsanwalt Manfred Aniedter wies dagegen die Anschuldigungen zurück: "Die Vorwürfe gegen meine Mandantin sind absolut unrichtig, und dies werden wir auch beweisen."

Die 24-jährige Triathletin galt als sichere Olympiakandidatin. Sie war allerdings schon vor der positiven Dopingprobe in die Schlagzeilen geraten, nachdem sie bei einem Wettkampf am 6. April in New Plymouth in einen Radunfall verwickelt war. Dabei wurde ihre Konkurrentin, die österreichische Olympiasiegerin Kate Allen, schwer verletzt. Allen, die für Peking nominiert ist, hatte damals schwere Anschuldigungen gegen Hütthaler erhoben. Wenige Tage später wurde diese bei einem Dopingtest erwischt.

Olympiateilnahme trotz positiven Dopingtests

Der amerikanische Turner Morgan Hamm darf trotz eines am 24. Mai vorgenommenen positiven Dopingtests in Peking starten. Das entschied die Disziplinar-Kommission des Turn-Weltverbandes FIG. Die FIG folgte in ihrer Entscheidung der Ansicht der amerikanischen Anti-Doping-Agentur (Usada), die am 3. Juli gegen den Zwillingsbruder des Mehrkampf-Olympiasiegers Paul Hamm eine öffentliche Verwarnung ausgesprochen hatte.

Morgan Hamm war bei einer Dopingkontrolle am 24. Mai positiv auf das Cortison-ähnliche Medikament Glukocorticosteroid getestet worden. Der 26-Jährige hatte am 2. Mai wegen Schmerzen und einer Entzündung im linken Knöchel eine Spritze mit dem entzündungshemmenden Mittel verabreicht bekommen, ohne dies bei der USADA anzumelden.

"Die Medikation nicht zu melden, war naiv von mir", gestand Morgan Hamm später ein, "man muss die Formalitäten einhalten, das war mein Fehler". Das verabreichte Mittel steht auf der Liste der verbotenen Präparate, darf nach Anmeldung jedoch verabreicht werden, sofern eine medizinische Indikation vorliegt.

fpf/dpa/sid