03.09.2008 - Wettmanipulation: Organisiert wie eine Mafia
03.09.2008, Süddeutsche Zeitung
Fussball-Manipulation
"Organisiert wie eine Mafia"
Von Malte Oberschelp
Hinweise, dass die Wettmafia aus Asien längst auch in Deutschland aktiv ist, gibt es seit mehreren Jahren. Fußballwetten sind ein Wachstumsmarkt, in dem es um Milliarden geht
Noch in den Neunzieger Jahren wurden die Wettmanipulations-Geschäfte auf Europa erweitert. Mit Zettel uns Stift geben die Zocker allerdings keine Tipps mehr ab. Es wird im Internet gewettet.
Es klingt ungeheuerlich, was der Spiegel über den mutmaßlichen Malayen William Bee Wah Lim, seine Kontakte zu diversen Fußballspielern in Deutschland und über seine Millionengewinne bei illegalen asiatischen Buchmachern schreibt. Doch Hinweise darauf, dass die Wettmafia aus Fernost längst auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern aktiv ist, gibt es seit mehreren Jahren. Die Rede ist von Machenschaften, gegen die Robert Hoyzer und Ante Sapina, Hauptdrahtzieher des vergangenen Wettskandals in Deutschland, „blutige Anfänger sind“, wie es Christoph Schickhardt, einer der gefragtesten Juristen im deutschen Fußballgeschäft ausdrückt.
Den Verdacht auf Spielmanipulation gibt es bereits seit der Saison 2004/2005. Damals nahmen europäische Wettbüros das Zweitligaspiel Erzgebirge Aue gegen Rot Weiß Oberhausen aus dem Angebot, nachdem in Asien hohe Beträge auf einen Sieg der Heimmannschaft gesetzt worden waren. Die Partie endete nach einem spektakulären Eigentor und einem unnötigen Elfmeter 2:0 – für das Heimteam Erzgebirge Aue. Die Staatsanwaltschaft ermittelte ergebnislos. Danach wurde die Angelegenheit vom rein deutschen Hoyzer-Skandal überlagert.
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In Belgien spielte zu jener Zeit der Chinese Ye Zheyun eine ähnliche Rolle wie William Bee Wah Lim offenbar in Deutschland. Er hatte sich auf Vereine mit finanziellen Problemen spezialisiert. Insgesamt standen seit 2004 fünf Erstligaklubs, zwei Trainer und ein Spielervermittler unter Verdacht der Korruption. Für Ye Zheyun, dessen Spur zu einer Wettmafia in Shanghai führte, wurde ein internationaler Haftbefehl ausgestellt. Bisher erfolglos.
Auch in Österreich gab es einen ähnlichen Fall. Die Ermittlungen deutscher Staatsanwälte gegen William Bee Wah Lim deckten auf, dass in der Saison 2006/2007 der Trainer sowie ein Stürmer von Sturm Graz offenbar zwei Spiele verkauft hatten. Jedenfalls entschuldigten sie sich beide nach den Partien telefonisch dafür, dass man nicht wie verabredet gegen Red Bull Salzburg und die Austria verloren hatte. Im Prozess gegen William Bee Wah Lim kam heraus, dass der Wettpate auf einen Sieg von Red Bull Salzburg gesetzt hatte.
