29.03.2008 - Elbphilharmonie wieder teurer
29.03.2008, MOPO
ELBPHILHARMONIE
Senat wusste vor der Wahl von Mehrkosten
Baukonzern hatte schon Ende 2007 auf Probleme hingewiesen
MATHIS NEUBURGER
Kaum ist Bürgerschaftswahl gelaufen, kommt heraus, dass die Elbphilharmonie wohl sehr viel teurer wird. Ein Zufall? Keineswegs!
Der Senat wusste bereits vor Monaten, dass es Probleme bei dem Bau gibt - nur wollte man offenbar die Wähler nicht verschrecken. Zudem hat der Senatsbeauftragte für den Bau die Öffentlichkeit über die Risiken getäuscht!
104 "Behinderungsanzeigen" über Probleme bei dem Prestige-Objekt hat die Baufirma "Hochtief" bereits bis Ende November 2007 dem Senat mitgeteilt. Die wurden vom Senat als "unbegründet" zurückgewiesen. Zu Unrecht: Wie die MOPO berichtete, muss wohl - wegen veränderter Umweltvorschriften - für mehrere Millionen Euro eine kompliziertere Kühlanlage installiert werden. Zudem hat Hochtief "zahlreiche baubedingte Mehrkosten" angemeldet.
Bei einem derart komplexen Projekt wie der Elbphilharmonie eigentlich nichts Besonderes. Nur wollte der Senat von Bausrisiken nie etwas wissen, wie Sitzungsprotokolle belegen. "Ich sage hier klar und eindeutig: Das Kostenrisiko im Bauprozess liegt nunmehr allein beim Bieterkonsortium", so Hartmut Wegener, der den Bau für den Senat betreut, vor einem Jahr im Haushaltsausschuss."
Am Donnerstag dann die Rolle rückwärts. Wegener zu den drohenden Mehrkosten: "Die Elbphilharmonie ist kein statisches Projekt. Bei einem hochkomplexen Projekt ist das ein normaler Vorgang." Für GAL-Bauexperte Claudius Lieven eine "dreiste Frechheit, damit erst nach der Wahl rauszurücken. Plötzlich sind die Kosten dynamisch."
Und das sei erst der Anfang. Lieven: "Da kündigt sich eine Kostenkatastrophe an. Erst ein Fünftel des Baus ist geschafft."
Der Blick auf andere Großbaustellen verheißt nichts Gutes:
- U4: plus 43 Millionen (nach jetzigem Stand).
- Airbus-Landebahn: plus 50 Millionen.
- Neue Messehallen: plus 40 Millionen. Auch hier war ein Festpreis vereinbart.
- Flughafen-S-Bahn: plus 40 Millionen.
Das Problem bei der bislang mit 241 Millionen Euro veranschlagten Elbphilharmonie:
Der Senat hat die Kosten nach "DIN-Norm 276" berechnet. "Damit kann man die Kosten für ein Bürohaus auf der grünen Wiese kalkulieren", spottet Lieven.
"Aber nicht ein Wahrzeichen mit einer so noch nie gebauten, geschwungenen Glasfassade auf einem alten Speicher!"
