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27.02.2008 - Mafia kauft Immobilien in Mecklenburg-Vorpommern

27.02.2008, NDR Info
Mafia kauft Hotels in Mecklenburg-Vorpommern

Das Landeskriminalamt (LKA) unternimmt zu wenig, um der Mafia in Mecklenburg-Vorpommern das Handwerk zu legen, meint Ronald Buck. Er ist Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter und selbst Mitarbeiter des LKA.

Am zweiten Dezember 1995 wurde Gerado Russo vor einem Rostocker Restaurant erschossen. Er sollte im Auftrag der Mafia Immobilien kaufen, hatte das ihm anvertraute Geld jedoch für sich behalten.

Das LKA gründete eine Sonderkommission, die auch in Richtung Geldwäsche ermittelte. Zu einer Anklage kam es jedoch nicht.

Laut Buck, der einer der Ermittler dieser Kommission war, wurden wichtige Hinweise aus Italien nicht weiterverfolgt:

"Wir hätten noch mehr als zehn weitere Fallakten aufmachen können, die verschiedene Delikte beinhalteten. Diese sind dann ad acta gelegt worden, und es ist nicht weiter ermittelt worden.“

Kritik auch aus Italien

LKA-Chef Ingmar Weitemeier weist die Vorwürfe zurück. Man habe nicht nachweisen können, dass die Gelder aus Rauschgift- oder Waffengeschäften stammen.

Ein aktueller Bericht der italienischen Anti-Mafia-Kommission kritisiert die Arbeit der deutschen Ermittler jedoch ebenfalls. Die deutschen Behörden würden trotz Hinweisen seitens der italienischen Behörden das massive Wirken der Mafia in Deutschland nicht wahrnehmen.

In Mecklenburg-Vorpommern geht es beim Thema Mafia vor allem um Geldwäsche. Das bestätigt auch LKA-Chef Weitemeier:

"Für die Mafia ist Mecklenburg-Vorpommern ein Geldanlageraum. Wir haben es also mit Wirtschaftskriminalität zu tun."

Als Geldwäsche-Maschinen dienen der Mafia dabei offenbar Hotels von Wismar bis Usedom - gekauft mit schmutzigem Geld, produzieren sie saubere Umsätze.

Betroffene stehen kurz vor der Pleite

Die Investitionen der Mafia seien ein offenes Geheimnis, sagt Hannelore Dolinga vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga in Rostock. Sie appelliert regelmäßig an ihre Mitglieder, sich an die Polizei zu wenden.

Doch die Betroffenen seien in der Regel erpressbar, weil sie kurz vor der Pleite stehen:

"Ich denke, bei den wirtschaftlich anfälligen Unternehmen werden sie die größte Chance haben, die kaputtzumachen. Und wenn ich in so einer Situation bin und kann mein Haus ganz schnell verkaufen, dann bin ich froh, wenn ich es los bin und hab das Geld, um die Schulden irgendwie abzudecken.“

Eine Milliarde Euro Gewinn für die Mafia

Aktuell gebe es Ermittlungen zu möglicherweise kriminellen Finanzströmen, räumt das LKA ein.

Einzelheiten wollen die Ermittler jedoch nicht nennen. Nach einem aktuellen Lagebericht des Bundeskriminalamtes machen organisierte Kriminellenorganisationen knapp eine Milliarde Euro Gewinn in Deutschland.

Zu viel um wegzusehen, findet Ronald Buck vom Bund der Kriminalbeamten.

Autor: Ann-Katrin Johannsmann