21.11.2007 - Elbphilharmonie ein Millionengrab?
21.11.2007, Abendblatt
Interview Projektleiter des Senats nimmt Stellung zu Kritik an hohen Kosten
Ist die Elbphilharmonie ein Millionengrab?
Hartmut Wegener erläutert die Erschließung des Geländes für Besucher des Konzerthauses in der HafenCity. Anfahrtmöglichkeit für Busse wird geprüft.
Hartmut Wegener ist Chef der städtischen Realisierungsgesellschaft (Rege). Vom Senat wurde er zum verantwortlichen Projektkoordinator für die Elbphilharmonie ernannt.
ABENDBLATT: Schon jetzt gibt es beim Bau der Elbphilharmonie Nachforderungen von einer Million Euro, Planer sollen eine Tür vergessen haben. Wird das Projekt wegen Planungsfehlern immer teurer, wie die SPD kritisiert? Ist die Elbphilharmonie ein Millionengrab?
HARTMUT WEGENER: Da wurde keine Tür vergessen.
ABENDBLATT: Was war es denn?
WEGENER: Wir haben festgestellt, dass es besser ist, den offenen Eingangsbereich umzugestalten. Bei einer Überfüllung der Plaza können so die Besucherströme besser gelenkt werden. Das ist eine funktionale und gestalterische Verbesserung - und für solche Änderungen und unvorhersehbare Ereignisse ist ein Puffer von zehn Millionen Euro als Teil der Finanzierung fest eingeplant. Im Übrigen baut Hochtief zum Festpreis von 241,3 Millionen Euro.
ABENDBLATT: Und diese Änderung kostet eine Million Euro?
WEGENER: Nein, die runde Million ist wegen einer sechswöchigen Bauzeitverschiebung zu zahlen, um Zeitpläne von Architekten und Unternehmen zu synchronisieren. Daneben gab es Probleme bei der Gründung des Gebäudes - da streiten wir, ob der Baugrund komplizierter ist als angenommen, oder ob sich das Unternehmen verkalkuliert hat.
ABENDBLATT: Und es gibt jetzt schon eine ganze Reihe von Behinderungsanzeigen durch das Unternehmen . . .
WEGENER: Die Menge solcher Anzeigen hat uns überrascht, es sind jetzt schon über 80.
ABENDBLATT: Was für Anzeigen?
WEGENER: Wir haben einen festen Bauzeitenplan mit 15 festgelegten Vertragsterminen bis zur Eröffnung 2010. Jeder Tag Verzug kostet den Baukonzern 200 000 Euro Strafe. Mit Behinderungsanzeigen soll schon jetzt ein Zeitpuffer dafür geschaffen werden.
ABENDBLATT: Was hat den Bau denn bisher behindert?
WEGENER: Die Sturmflut zum Beispiel, da musste die Baustelle evakuiert werden. Allerdings haben wir Schlechtwettertage einkalkuliert. Behinderungsanzeigen betreffen auch angeblich verspätet eingereichte Ausführungspläne. Aber ich mache daraus keinen Vorwurf, das ist typisches Geschäft, zeigt, wie professionell der Baukonzern arbeitet.
ABENDBLATT: Aber wenn die Klappbrücke über den Sandtorhafen für den 16 Millionen teuren Luxusfußweg ausgetauscht wird - das würde den Bau auch verzögern?
WEGENER: Deshalb machen wir das ganz zuletzt, 2010, wenn der eigentliche Bau beendet ist. Im Übrigen ist das kein Luxusfußweg
ABENDBLATT: Was denn, wenn rund 400 Meter 16 Millionen Euro kosten sollen?
WEGENER: Es ist mehr als ein Fußweg: Wir bauen den U-Bahnhof Baumwall aus, bauen eine Klappbrücke, erhöhen die Zuwege und erhalten ein gleichmäßiges Gelände-Niveau vor der Elbphilharmonie. Das ist Voraussetzung, dass der Verkehr bei Veranstaltungen nicht zum Stillstand kommt.
ABENDBLATT: Platz für Bushaltestellen gibt es nicht, die Leute müssen 200 Meter gehen.
WEGENER: Stimmt so nicht, unmittelbar vor der Elbphilharmonie, etwa 30 Meter entfernt am Kaiserkai, wird es eine HVV-Bushaltestelle geben.
ABENDBLATT: Das hilft doch nicht den vielen Leuten, die mit dem Reisebus aus dem Umland ankommen. Die müssen in Abendgarderobe durch den Regen stiefeln.
WEGENER: Wir haben direkt vor der Elbphilharmonie einen Wendeplatz, der ist allerdings mit versenkbaren Pollern gesperrt und soll nur in Ausnahmefällen geöffnet werden.
ABENDBLATT: Warum öffnet man den nicht bei Veranstaltungen?
WEGENER: Darüber können wir nachdenken - wir sollten das in der Praxis erproben. Voraussetzung dafür ist aber der niveaugleiche Neubau der Brücke - das ist das Schlüsselstück der Erschließung.
