08.09.2006 - Ursachen der Korruption
08.09.2006, Abendblatt
Die Ursachen der Korruption
Die Täter sind in den meisten Fällen Kollegen, am häufigsten geht es um Unterschlagung oder Betrug - diese Fakten nannte Thorsten Mehles, Vorstand des Sicherheitsunternehmens Prevent, in einem Vortrag über Wirtschaftskriminalität.
Die Stiftung Grone-Schule hatte den ehemaligen Hamburger Top-Polizisten eingeladen, um über Sicherheit in Unternehmen zu referieren.
"Korruption ist ein langsamer Prozess", so Mehles. Der heute 44-Jährige war früher Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität beim LKA Hamburg und beim Bundesnachrichtendienst (BND) in Pullach. Besonders anfällig seien Mitarbeiter, die sich ungerecht behandelt fühlten, bei denen Zusagen nicht eingehalten wurden.
An erster Stelle stehe bei den Tätern mangelndes Unrechtsbewusstsein, gefolgt von monetären Ursachen.
"Der Lebensstil eines Mitarbeiters passt nicht zu seinem Gehalt", so Mehles. Anstiftung aus kriminellen Kreisen spiele eine untergeordnete Rolle.
Die Annahmen, dass oft die "Großen" laufen gelassen würden, sei nicht falsch. In 61 Prozent aller Fälle, in denen Angestellte überführt wurden, wurde vom Unternehmen Strafanzeige gestellt - jedoch nur bei 32 Prozent der Topmanager, wenn diese zu Tätern wurden, zeigte Mehles anhand einer Statistik auf.
Dennoch gelte weiterhin, dass viele Unternehmen von Anzeigen bei den Behörden absehen würden, weil sie Image-Schäden für die Firma nach außen und nach innen fürchten würden.
Die Firma Prevent mit Hauptsitz am Neuen Wall hat die meisten Mitarbeiter aus Führungsetagen der Polizei rekrutiert und berät nationale und internationale Großkonzerne in Fragen der Wirtschaftskriminalität.
kj
