08.11.2006 - Staatsanwälte sehen neue Schwerpunkte
08.11.2006, Abendblatt
In Hannover haben sie sich gestern erstmals zu einer großen Bestandsaufnahme ihres Berufsstandes getroffen und Klartext geredet.
Von Ludger Fertmann
Staatsanwälte: Nur wer sich teure Anwälte leisten kann, wird milde bestraft
Hannover - Auch die Generalstaatsanwälte sehen die Notwendigkeit, neben der Massenkriminalität die meist schweren Straftaten aus den Bereichen Korruption, organisierte Kriminalität und Gewalttaten stärker in den Mittelpunkt der Arbeit zu rücken.
Kirsten Stang, stellvertretende Vorsitzende des niedersächsischen Richterbundes und selbst Staatsanwältin, nimmt dabei auch die Politik in die Pflicht, die angesichts steigender Verfahrenszahlen (siehe Grafik) nicht für eine entsprechende personelle Ausstattung der Justiz sorge:
"Dies führt dazu, dass der Hühnerdieb die volle Härte des Gesetzes spürt, während gut verteidigte Straftäter aus der organisierten Kriminalität erheblichen Strafnachlass erhalten."
Trotz solch bitterer Diagnosen aber herrschte beim ersten landesweiten Treffen der Staatsanwälte so etwas wie Aufbruchsstimmung.
Mehr als 400 der 550 Staatsanwälte waren gekommen, diskutierten in fast 50 Workshops darüber, wie man sich wappnen kann gegen rhetorisch versierte Rechtsanwälte, wie man den Formularkram bewältigt, die Referendare besser anleitet und neue Qualitätsstandards entwickelt.
