18.06.2008 - Runde: Tierschutz-Abzocke
18.06.2008, MOPO
ARCHIV: TIERSCHUTZ-ABZOCKE
Sie soll alles zurückzahlen!
STEPHANIE LAMPRECHT
Der tiefe Fall einer einst renommierten Tierschützerin: Simone Runde (65), langjährige Chefin des Vereins "Bürger gegen Tierversuche", hat nicht nur 4500 Euro brutto monatlich aus dem Vereinsvermögen kassiert, sondern sogar ihre privaten Telefonrechnungen und Taxifahrten aus Spendengeldern beglichen.
Verteidigt wird die Raffke-Chefin von Rechtsanwalt Friedrich Engelke, der gleichzeitig den Hamburger Tierschutzverein gegen dessen Raffke-Vorsitzenden Wolfgang Poggendorf vertritt.
Das Ausmaß der Gier: Rund 2900 Euro für Telefongespräche an ihrem Privatanschluss ließ Simone Runde allein im Jahr 2007 vom Vereinskonto abbuchen (2006 waren es 1500 Euro).
Monatlich verquasselte Familie Runde bis zu 490 Euro aus Spenden, die Tierfreunde für den Kampf gegen Tierversuche gedacht hatten.
Dazu ließ Simone Runde sich schamlos auf Vereinskosten per Taxi kutschieren, manchmal mehrmals täglich. Die Fahrten der Ex-Chefin kosteten den Verein im vergangenen Jahr rund 2500 Euro (im Jahr 2006 waren es 2070 Euro). Kassenprüferin Winkel (65): "Simone Runde hat jede Möglichkeit ausgeschöpft, den Verein zu ruinieren."
Sogar ihre privaten Abos für eine Tageszeitung und den "Spiegel" ließ die Vorsitzende sich jahrelang vom Verein spendieren, alles blauäugig abgenickt von den übrigen Vorstandsmitgliedern. Rechtsanwalt Engelke: "Ich sehe ein, dass meine Mandantin etwas zurückzahlen muss. Über die Höhe muss man sich unterhalten."
Ende 2006, als Simone Runde ihre Vereinsarbeit aufgab, hatte Engelke für seine Mandantin einen Abfindungsvertrag über 36000 Euro verfasst. Dieses Geld wollen Vereinsmitglieder jetzt über Anwältin Martina Stoldt zurückfordern.
Ihre rechtliche Auffassung: "Der Beschluss über die Abfindung war unwirksam, weil nicht der Vorstand, sondern die Mitgliederversammlung zuständig war. Das hätte Herr Engelke prüfen müssen. Durch das Versäumnis hat Frau Runde etwas bekommen, was ihr nicht zustand."
Zitat:
"Simone Runde nutzte jede Möglichkeit, den Verein zu ruinieren" Kassenprüferin Winkel
