14.04.2008 - "Poggendorf hat den Tierschutz in ein Chaos gestürzt"
14.04.2008, Abendblatt
Treffen Turbulente Szenen
"Poggendorf ist für mich ein Ganove"
Wolfgang Apel, der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, greift ehemaligen Chef des Hamburger Tierheims scharf an.
"Wolfgang Poggendorf ist für mich ein Ganove, der den Hamburger Tierschutzverein in ein Chaos gestürzt hat. Die alten Vorstände, die jetzt wieder kandidieren, gehören davongejagt."
Diese scharfe Kritik übte Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, am Sonnabend in einer sehr emotionalen Rede vor rund 150 HTV-Mitgliedern im Bürgerhaus Wilhelmsburg.
Die Anwesenden hatten offensichtlich dieselbe Meinung und applaudierten lautstark. Der eigentliche Grund für die Veranstaltung war die Vorstellung der Kandidaten für die Vorstandswahlen des HTV.
Doch Wolfgang Apel musste seinem Ärger zunächst Luft machen: "Der Tierschutz in Hamburg ist gelähmt. Es ist einfach unverschämt, dass die alte Garde wieder antreten will", so Apel.
Damit waren offensichtlich die ehemalige Erste Vorsitzende Karin Klinkradt, ihre Stellvertreterin Christine Kimpfel-Neumaier und die enge Poggendorf-Vertraute Urte Hitzer gemeint.
Doch die drei Damen ließen sich am Sonnabend nicht blicken. Auch Jan Heitmann, der alleine in den Jahren 2004 bis einschließlich 2007 rund 140 000 Euro für "Pressearbeit" (wir berichteten) beim HTV bekommen hatte und ebenfalls bei den Wahlen antritt, fehlte.
Ebenso der ehemalige HTV-Vorsitzende Wolfgang Poggendorf, gegen den die Staatsanwaltschaft in mehreren Fällen wegen des Verdachts der Untreue ermittelt.
Die Vorstellung der übrigen Kandidaten verlief zunächst ruhig und sachlich.
Die Richterin Gabriele Waniorek-Goerke, die aussichtsreich für das Amt der Vorsitzenden kandidiert, ließ sich von ihrem Ehemann Eberhard vertreten:
"Meine Frau liegt nach einer Operation im Krankenhaus, deshalb werde ich heute über ihre Motive für die Kandidatur sprechen", so Goerke.
Doch als dann Friedel Schultze auf dem Podium saß, die als Beisitzerin kandidiert, wurde es laut.
Ein Mitglied wollte wissen, ob Frau Schultzes Ehemann der Hausmeister in der Wohnanlage ist, in der Wolfgang Poggendorf lebt?
Diese Frage bejahte Friedel Schultze, woraufhin es Proteste aus dem Publikum gab.
Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung eskalierte die Situation.
Die 72 Jahre alte Rentnerin stürmte auf den Rechtsanwalt Friedrich Engelke zu und bepöbelte ihn lautstark. Offensichtlich vermutete die Poggendorf-Bekannte, dass Jurist Engelke die Information lanciert hatte.
Ansonsten waren sich die Mitglieder einig, dass jetzt die Zeit für einen Neuanfang beim krisengeschüttelten HTV ist. "Rettet den Tierschutz" ist das gemeinsame Motto der Kandidaten Waniorek-Goerke, Manfred Graff und Edgar Kiesel (kandidiert als Schatzmeister):
"Wir wollen das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Tierschutz zurückgewinnen", sagte Rechtsanwalt Graff, der Zweiter Vorsitzender werden will.
Für Wolfgang Apel ist unterdessen vor allem eines wichtig: "Wir müssen dringend einen neuen integeren Vorstand haben. Wenn der HTV nicht bald aus den negativen Schlagzeilen rauskommt, ist der Tierschutz in Hamburg am Ende."
