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30.07.2007 - Vernetzung HTV - WEG - Immobilienverwaltung

30.07.2007, MOPO
Diesmal geht es um eine Wohnanlage in Tonndorf
Neuer Ärger für Poggendorf

OLAF WUNDER

Der Hamburger Rechtsanwalt Joachim von Keßinger wirft einer Hamburger Immobilienverwaltungsfirma vor, Gelder der Wohnungseigentümer nicht ordnungsgemäß abgerechnet zu haben.

Um 350000 Euro geht es.

Das Brisante daran: Sachbearbeiter bei der Verwalterfirma war bis 2005 Klaus Nahrstedt, ehemaliger HTV-Vorsitzender.

Beirat der WEG - und damit desjenigen, der die Verwaltung zu kontrollieren hat: Tierheimchef Wolfgang Poggendorf!

Sonnenredder, eine verschlafene Straße in Tonndorf. Hier lebt Poggendorf in einer exklusiven Wohnanlage.

Das Idyll täuscht. Denn seit Jahren bekriegen sich die Eigentümer der 26 Wohneinheiten.

Im März 2000 begann der Ärger.

Damals fiel einer Eigentümerin auf, dass die Verwaltung ausgerechnet im Dezember - wenn die Preise am höchsten sind - rund 10000 Liter Heizöl eingekauft haben will.

Die Frau wurde misstrauisch, verlangte, die Quittung zu sehen.

Doch sie wurde ihr angeblich vorenthalten - auch nach mehrmaliger Aufforderung noch.

Seither sind die Eigentümer der Wohnanlage gespalten.

Auf der einen Seite: der Beirat, dem neben Poggendorf noch ein zweiter Tierschützer angehört, HTV-Kassenführer Peter W.

Das Einvernehmen der beiden mit Verwalter Nahrstedt, ihrem ehemaligen Tierschutz-Vorsitzenden, ist auffallend gut.

Auf der anderen Seite: die Rebellen, die auf Versammlungen zwar stets in der Minderheit sind, die aber auf immer mehr Ungereimtheiten stoßen.

Ihr Rechtsanwalt Joachim von Keßinger: "Definitiv sind von der Verwaltung 350000 Euro nicht korrekt abgerechnet worden."

Beispiel: eine Fassadensanierung im Jahr 1999. Keßinger sagt, er kann beweisen, dass die Kosten von rund 43000 Euro doppelt auf die Eigentümer umgelegt wurden - nämlich ein Mal in der Abrechnung für 1999, ein zweites Mal in der von 2000.

Insgesamt rund 89000 Euro rechnete die Verwaltung angeblich ab.

Keßinger erstattete in der Angelegenheit Strafanzeige - nicht die erste!

Bei zahlreichen anderen Sanierungsarbeiten der vergangenen Jahre soll ähnlicher Schmu gelaufen sein. Rechnungen der Handwerksbetriebe, so Keßinger, seien völlig überhöht gewesen, manchmal um das Doppelte.

Außerdem wirft Keßinger der Verwaltung Fälschung vor:

So habe sie Aufträge ohne Ausschreibung vergeben.

Vermutlich, um eine Ausschreibung vorzutäuschen, seien Kostenvoranschläge nachträglich "gebastelt" worden.

In Zweifel gezogen werden auch die Heizöl-Rechnungen vergangener Jahre.

"Es ist nicht mal physikalisch möglich, dass die Heizung in im fraglichen Zeitraum diese Menge Öl verbrannt hat", so Keßinger.

Interessant in diesem Zusammenhang:

Fast alle Firmen, die für die WEG tätig sind und deren Rechnungen Keßinger in Zweifel zieht, arbeiten regelmäßig auch für den Tierschutzverein.

Und: Der Rechtsanwalt des Tierschutzvereins vertritt auch die Interessen der Verwalterfirma vor Gericht.

Dort sind Prozesse seit langem anhängig - ziehen sich aber wie Gummi. In einem Fall immerhin haben die Rebellen schon Recht bekommen:

Das Amtsgericht Wandsbek kassierte die Jahresabrechnung der Verwaltung für 2005 - wegen Unregelmäßigkeiten bei den Rücklagen.

Vorwürfe, er habe Abrechnungen manipuliert, weist Klaus Nahrstedt, Ex-HTV-Vorsitzender und WEG-Verwalter, zurück.

Gerne hätte die MOPO Wolfgang Poggendorf gefragt, was da eigentlich los ist in seiner Wohnanlage.

Dem Reporter wurde jedoch die Tür nicht geöffnet. Über die Gegensprechanlage die Stimme einer Frau: "Stören Sie uns nicht!"

Zitat:
"Es ist nicht möglich, dass die Heizung so viel Öl verbrannt hat" Joachim von Keßinger, Anwalt "Stören Sie uns nicht. Also bitte, gehen Sie!" Poggendorfs Frau zum Reporter